Ein Ausflug in die sanften Hügel Feldkirchens

In den Nockbergen

Auf den Wegen des Wassers

Rund um die Kärntner Bezirksstadt Feldkirchen schmiegen sich sanfte Hügelketten an bunte Blumenwiesen und geben den Blick auf die umliegenden Berge frei. Wir begeben uns heute auf den Weg entlang des idyllischen Kneippbachls, dem Flatschacher See und der Tiebel.

Wir starten unsere Tour beim Tourismusbüro Feldkirchen. Mit dabei sind Stefan und Franz aus Feldkirchen sowie zwei Freunde von mir. Kurz geht es noch vorbei an diversen Einkaufsläden und eine befahrene Kreuzung, um wenig später den Trubel der kleinen Stadt völlig hinter uns zu lassen. Bereits nach wenigen Gehminuten stehen wir mitten im Wald und vor uns liegt ein wunderschöner Pfad entlang eines kleinen Baches.

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© Sabrina Schütt / Das Kneippbachel lädt zum Kneippen ein
Das Kneippbachel, so erfahren wir von Stefan, wurde früher, wie der Name bereits verrät, von den Feldkirchnern zum Kneippen genutzt. Hier stapften die Leute im Storchengang durch das kalte Wasser. Das Wassertreten soll den Kreislauf in Schwung bringen und die Durchblutung fördern. Aktive Kneipper findet man hier kaum noch, auch wenn das Kneippen mittlerweile von der UNESCO zum immateriellen Kulturerbe erklärt wurde.

Von kalten Händen und warmen Armen

Der Weg schlängelt sich zwischen den frühlingshaften hellgrünen Bäumen hindurch und nach einigen hundert Metern taucht ein Armkneippbecken vor uns auf. Während die Herren der Runde lieber aus sicherer Entfernung zuschauen, tunken wir Frauen tapfer die Arme ins eiskalte Wasser.

Das Becken wurde hier erst vor kurzem wieder aufgebaut. Ich finde das Wasser herrlich erfrischend und genieße das anschließend aufkommende warme Kribbeln in meinen Armen. Von hier führt der Weg weiter durch den Wald entlang eines grün weißen Meeres aus Waldanemonen bis zu einem Kuhgatter. Wir biegen kurz über ein Feld in den nächsten Waldabschnitt ab und haben einen herrlichen Ausblick über den Feldkirchner Kessel und den Bergen am Horizont.

Wieder einmal Kind sein wollen

Überall im Wald kommen erste Blumen zum Vorschein und auch die Bäume überzieht ein sanftes Grün. Im Sommer muss es hier angenehm kühl sein. Früher verlegte die örtliche Schule ihren Sportunterricht gerne in diesen Wald und so wurde hier über Stock und Stein gesprungen und durch den Wald getollt, erzählt Stefan. Ein matschiges Unterfangen, stelle ich mir vor, denn der Wald zieht sich hier durch ein Sumpfgebiet. Aber der Weg leitet uns immer wieder mit Holzplanken und  kleinen Brücken um die matschigsten Stellen herum. Mit Gummistiefeln würde ich sicher mit kindlicher Freude durch den Matsch stapfen.

Flatschacher Teich – ein Sommerparadies

Nach einem Anstieg führt der Weg zwischen Tennisplätzen an der ersten Jausenstation „Kräuter“ vorbei. Aber wir fühlen uns noch frisch und setzen unseren Weg Richtung Flatschacher See fort. Der Bach zieht unverändert seine Kurven neben uns her. Der Flatschacher See wird in Feldkirchen auch Flatschacher Teich genannt, denn seine Größe ist überschaubar. Dafür ist er mit seinen durchschnittlich 1,40 Meter Tiefe im Sommer einer der ersten Seen in Kärnten, in denen man baden kann.
© Sabrina Schütt / Der "Flatschacher Teich"
Heute zieht nur ein Modellsegler seine Kreise über dem See.
© Sabrina Schütt / Noch herrscht Ruhe am Flatschacher See
Im Sommer lädt hier eine große Liegewiese mit Volleyballplätzen zum Verweilen ein. Und das sogar bei kostenlosem Eintritt. Erfrischung und Stärkung gibt es im Restaurant „Seemandl“, das aber erst Ende April wieder seine Türen öffnet.
© Sabrina Schütt / Die Kirschbäume blühen bereits
Wieder im Wald säumen links und rechts Heidelbeersträucher den Weg. Über den sanften Waldweg führt unser Weg aufs offene Feld. Auch hier gibt es eine weitere Einkehrmöglichkeit bei der Jausenstation der Familie Staudacher. Stefan schwärmt von den guten Würsten und den Jausenplatten.  Bei ihm ist jedoch gerade Fastenzeit angesagt und der Rest unserer Gruppe ist noch nicht hungrig und so geht es an den gelb und weiß blühenden Wiesen vorbei an beeindruckenden Kirschbäumen, die bereits in voller Blüte stehen.
Immer wieder tauchen wunderschöne alte Ställe auf. Die Sonne scheint mittlerweile warm auf uns herab. Fröhlich und bei guter Unterhaltung wandern wir weiter. Am Waldrand legen wir dann doch eine kurze Pause ein und freuen uns über ein Stück Schokolade und einen Apfel, die Franz vorsorglich für uns eingepackt hat.
 

Die Kraft des Wassers

Wieder im Wald hört man bald das Plätschern der Tiebel, deren Quelle in Himmelberg entspringt und eine der größten Frischwasserquellen in Kärnten ist. 660 Liter sprudeln hier pro Sekunde heraus. Rund acht Badewannen könnte man hier im Handumdrehen füllen. Mit entsprechender Fließgeschwindigkeit rauscht der Bach in drei Stunden von der Quelle bis zum Ossiacher See.
Schon früher wussten die Leute die Kraft des Wassers zu nutzen und so säumten mehr als 100 Mühlen, Schmieden und Fabriken den Bachverlauf und legten den Grundstein für einen wichtigen wirtschaftlichen Standort von Himmelberg bis Feldkirchen. 

Im 18. Jahrhundert wurden Sensen aus Himmelberg sogar in ganz Europa verkauft. Auch heute wird die Kraft des Wassers wieder genutzt, neben kleinen Stromkraftwerken finden sich auch viele Blumen entlang des Flusslaufs.
© Sabrina Schütt / Die Kraft des Wassers
Für uns geht es nun noch ein Stück an der Straße entlang und dann in einem Bogen über die Felder zurück Richtung Feldkirchen. Nach drei Stunden führt uns das letzte Stück des Weges durch das mittlerweile zu beeindruckender Größe herangewachsene Gelände der Diakonie. Hier finden wir auch noch einen wunderbaren Aussichtspunkt, der den Blick auf das Feldkirchner Becken und die in der Ferne liegenden Karawanken frei gibt.
Bilder und Text: Sabrina Schütt / April 2017
Autorin Sabrina Schütt

Autorenvorstellung: Sabrina Schütt

Ich bin Yogalehrerin und freie Redakteurin ... weil ... ich so meine Freiheit genießen kann. Mit Yoga kann ich Menschen einen Moment der Ruhe schenken und mit Worten meiner Freude am Schreiben nachgehen. In meiner Freizeit bin ich gerne in den Bergen unterwegs, entweder beim Klettern oder Wandern.

 

Das besondere an der Kärntner Natur ist für mich die faszinierende Schönheit und die immer noch wilden und unberührten Flecken, die es zu erkunden gibt. Mein Lieblingslingsgericht aus der Kärntner Küche sind Kasnudeln.

 

Lieblingszitat: ... alle sagten: Wir werden umso authentischer je näher wir dem Traum kommen, den wir selbst von uns haben.

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