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Der Weg ist das Ziel

Wanderer machen sich auf den Weg

Hohe Tauern – die Nationalpark-Region in Kärnten

Der Weg ist das Ziel

Heute begebe ich mich über 2000 Meter, um eine Etappe des Tauernhöhenweges zu gehen. Von der Jamnighütte, über die Hagener Hütte geht es in zwei Tagen bis zum Hannover Haus.

Den Zustieg zur Hagener Hütte (2446m), auf der wir heute übernachten wollen, starten wir im Dreiergespann am späten Nachmittag bei der Jamnighütte (1748m). Knapp 700 Höhenmeter liegen vor uns. Entspannt schlängelt sich der breite Weg durch die unglaublich schöne Landschaft. Die letzten, über die Gipfel fallenden Sonnenstrahlen, lassen ein beeindruckendes Spiel von Licht und Schatten entstehen.

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Zustieg zur Hagener Hütte
© Sabrina Schütt / Zustieg zur Hagener Hütte

Abendstund' hat Gold im Mund

Am Wegesrand grasen ein paar Noriker Pferde, die im 17. und 18. Jahrhundert als Saumtiere, also Lastentiere als Transportmittel von Salz und Wein über die Tauern genutzt wurden. Trotz der Höhe und der steilen Pässe, wurde hier bereits unter den alten Römern reger Handel betrieben, erfahren wir von Uwe, Geschäftsführer der Nationalpark Region Hohe Tauern.
 
In dieser Höhe haben sie einen mit Steinen gepflasterten Weg angelegt, den sie nutzten, um zu den Goldabbaugebieten in Bad Gastein zu gelangen. Den Spuren des alten Römerweges werden wir entlang unserer morgigen Etappe immer wieder begegnen, so Uwe.

Vom Murmeltier verpfiffen

Wir folgen noch ein wenig den Spuren der Vergangenheit, die von einer vom Blitz getroffenen Wirtin erzählen und in der Tauernhütte finden wir eine kleine Ausstellung über die Saum- also Lastenwege. Als wir wieder hinauskommen, gellen mehrere Pfiffe über den Hang vor uns und tatsächlich bekommen wir ein Murmeltier zu Gesicht. Wie ich auf meiner letzten Tour gelernt habe, warnen Murmeltiere ihre Familienmitglieder mit einem System von verschiedenen Pfiffen vor herannahenden Gefahren.
 
Ein einziger, lang gezogener Pfiff bedeutet höchste Alarmbereitschaft und kündigt beispielsweise den Angriff eines Steinadlers an, der pro Jahr bis zu 70 Murmeltiere verspeist. Murmeltierbraten haben wir heute aber nicht im Sinn, vielmehr hoffen wir auf ein Stück Schweinebraten, für den das Wirtspaar der Hagener Hütte, Hans und Sissi,  schon in zweiter Generation bekannt sind. 

Von gutem Essen und Lindwürmern

Als wir kurz nach Sonnenuntergang die Hagener Hütter erreichen, ist der Schweinebraten leider schon aus. Aber eine Suppe und Jausenplatte richtet uns Sissi trotzdem noch her. Angelockt vom guten Speck gesellen sich ein paar weitere Hüttengäste an unseren Tisch. Unter anderen Stefan.
 
Er ist ein „Wegewart“ der Hagener Alpenvereinssektion und kommt jedes Jahr ein paar Mal hier her, um die Wanderwege in Stand zu halten. In geselliger Runde lassen wir den Abend ausklingen und lauschen den Sagengeschichten von Hans. 
Ankunft an der Hagener Hütte - ein unbeschreiblicher Ausblick
© Sabrina Schütt / Ankunft an der Hagener Hütte - ein unbeschreiblicher Ausblick
Die Mallnitzer Sage geht in etwa so: Dort, wo heute der kleine Ort Mallnitz liegt, befand sich zu früheren Zeiten ein See. Am Ufer fand eines Tages ein Bauer ein „Hasenei“, dass er bei Vollmond ausbrütete, daraus schlüpfte ein drachenähnliches Geschöpf - der Lindwurm. Die Mallnitzer hegten den Lindwurm, aber als eines Tages die Nahrung knapp wurde, fraß sich der Wurm durch einen Berg. Mit dem Seewasser wurde er nach Klagenfurt gespült. Dort fand er leider kein glückliches Ende. Mit dieser Geschichte und einem letzten Blick auf den herrlichen Sternenhimmel, verabschieden sich alle in den wohlverdienten Schlaf.

 

Ein Spielplatz für Bergsportler

Am Morgen werden wir von blökenden Schafen und dem schönen Sonnenaufgang geweckt. Mit einem herzhaften Frühstück im Bauch, lassen wir gut gestärkt die Hagener Hütte hinter uns und starten die heutige Etappe Richtung Hannover Haus. Der Weg ist mit ca. sechs Stunden angeschrieben und verläuft in relativ gleichbleibender Höhe unterhalb der Gipfel. Mit Blick auf die umliegenden Bergketten erfahren wir, dass hier die unterschiedlichsten Touren zu finden sind und jeder, vom Wanderer bis zum geübten Bergsteiger, von Heiligenblut über den Sonnblick bis zur Hochalmspitze die passende Herausforderung finden kann.
Überquerung eines kleinen Schneefeldes
© Sabrina Schütt / Überquerung eines kleinen Schneefeldes
Auch im Winter werden viele Skitourengeher von den unzähligen Tourenmöglichkeiten angelockt. Statt Schnee säumen heute aber Blumen unseren Weg, so dass auch, die als heikel markierten Passagen östlich der Romatenspitze, ohne Schneefelder problemlos zu passieren sind. Auf einem kleinen Schneefeld am Wegesrand testet Leo trotzdem noch ihre Trittsicherheit.

Deutsche Gründlichkeit

Bei der Überquerung mehrerer Geröllfelder, zeigt sich uns sehr eindrucksvoll, was die freiwilligen Wegewarte der deutschen Alpenvereinssektionen leisten. Teilweise werden mit Eisenstangen große Steinplatten den Hang herunter manövriert und so ein sehr gut passierbarer Weg angelegt. Ohne viele Hindernisse hüpfen wir über die Steine hinweg zu unserem ersten Zwischenstopp der Mindener Hütte. Die kleine Selbstversorger-Hütte liegt unterhalb des Gamskarlspitzes (2832m). Im Inneren finden Schutzsuchende alles was man braucht, eine Kochstelle, Töpfe, Betten und vor dem Haus eine trinkbare Quelle.

Über Stock und über Stein

Nach einem kurzen Stopp geht es nun weiter mit Blick ins Tal Richtung Mallnitz. Vor uns taucht am Horizont, die „Tauernkönigin“ auf. Die Hochalmspitze bildet mit 3360m das Gegenstück zum „Tauernkönig“ - dem Großglockner (3798m) und ist der höchste Berg der Ankogelgruppe (Bild 15). Mit stetem Blick auf diesen schönen Berg, schlängelt sich der Steig gut gekennzeichnet durch Wiesen und immer wieder passieren wir Geröllfelder. Es folgen ein paar Passagen, die mit größeren Felsen ein bisschen mehr Konzentration und Trittsicherheit verlangen, dafür erwartet uns um die nächste Kurve der türkisblaue kleine Tauernsee. Hier haben schon die Römer ihre Pferde getränkt.
 
Wir begnügen uns damit, unsere großen Zehen ins ca. 7°Grad kalte Wasser zu halten. Erfrischt geht es weiter. Immer wieder kreuzen wir Wege, über die man ins Tal nach Mallnitz oder zum Beispiel über den Korntauern Richtung Salzburg absteigen kann. Der Weg kann also immer wieder den eigenen Bedürfnissen angepasst werden. Wir gehen aber einfach immer weiter, circa vier Stunden Gehzeit stecken uns jetzt in den Beinen.

Von Schoßhunden und Gamsbärten

Am nächsten Anstieg ändert sich auf einmal das Wanderpublikum. Kleine Schoßhunde werden unter den Armen ihrer mit Turnschuhen und Strohhut bekleideten Besitzer den Hang hinunter getragen. Fragen nach dem richtigen Weg häufen sich. Nachdem wir das Luggertörl erklommen haben, offenbart sich uns auch der Grund.
 
Vor uns liegt das Ankogel Skigebiet. Hier kann man mit der Ankogelbahn bis zum Hannover Haus hinauffahren und nach dem Essen und der schönen Aussicht entweder zu Fuß ins Tal oder zur Mittelstation absteigen, oder, wieder hinab gondeln.
Ausblick auf die Hochalmspitze
© Sabrina Schütt / Ausblick auf die Hochalmspitze, Säuleck
Der restliche Weg durch das Skigebiet ist weniger idyllisch, aber die tolle Aussicht auf die Hochalmspitze, den Ankogel und Säuleck entschädigt dafür und im Kopf planen wir schon unsere nächsten Etappen. Denn bei unserer Ankunft am Hannover Haus sind wir uns einig, die heutige Etappe hat Lust auf mehr gemacht. Für heute bliebt uns nur noch der ca 1 ½ stündige Abstieg ins Seebachtal. Am Ende des Tages stecken uns knapp sieben Stunden Gehzeit in den Beinen, aber wir wissen: 

Wir kommen wieder!

Bilder und Text: Sabrina Schütt / September 2016
Autorin Sabrina Schütt

Autorenvorstellung: Sabrina Schütt

Ich bin Yogalehrerin und freie Redakteurin ... weil ... ich so meine Freiheit genießen kann. Mit Yoga kann ich Menschen einen Moment der Ruhe schenken und mit Worten meiner Freude am Schreiben nachgehen. In meiner Freizeit bin ich gerne in den Bergen unterwegs, entweder beim Klettern oder Wandern.

 

Das besondere an der Kärntner Natur ist für mich die faszinierende Schönheit und die immer noch wilden und unberührten Flecken, die es zu erkunden gibt. Mein Lieblingslingsgericht aus der Kärntner Küche sind Kasnudeln.

 

Lieblingszitat: ... alle sagten: Wir werden umso authentischer je näher wir dem Traum kommen, den wir selbst von uns haben.

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