Berglust auf der Südseite der Alpen Bad Kleinkirchheim

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Berglust auf der Südseite der Alpen Nassfeld/Pressegger See - Lesachtal - Weissensee

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Berglust auf der Südseite der Alpen Biosphärenpark Nockberge

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Themenwanderung auf der Turracher Höhe

In den Nockbergen

Die Zirbe – Königin der Alpen

“Unmögliche Gesellen, schamlose Räuber, kurzum – ein elendes Pack!” – ein Schweizer Wissenschafter nahm sich zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts kein Blatt vor den Mund, als es darum ging, den Tannenhäher als „den größten Feind der Arve“ zu geißeln. Der Zirbenbaum, wie er in Österreich heißt, sei durch die „Verschwendungssucht“ des kräftigen Vogels in seiner Existenz gefährdet, tönte es aus einer Fachzeitschrift.

Denn der Tannenhäher war es, den der Schweizer dabei beobachtete, wie er sich einen Zirbenzapfen nach dem anderen vorknöpfte, um mit seinem meißelartigen Schnabel an die nahrhaften Nüsse heranzukommen.

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© Martin Marktl / Im Winter Nüsse, im Sommer auch gerne etwas Anderes: Ein Tannenhäher zu Besuch auf der Hüttenterrasse
Hätte er die Beute gleich verspeist, hätte der Wissenschafter das geschäftige Treiben wohl als „Kreislauf der Natur“ zu den Akten gelegt – doch als er den Kerl dabei beobachtete, den Großteil seines Ertrages in selbst gegrabenen Erdlöchern für den Winter zu bunkern, war’s um das Verständnis des Wissenschafters geschehen. Wie um alles in der Welt soll der Gierschlund seine Vorräte im Winter wiederfinden, wo sich doch in wenigen Monaten eine dicke Schneedecke über die Verstecke breitete?
Ein paar Jahrzehnte zogen ins Land, bis sich der Ruf des Tannenhähers plötzlich ins Gegenteil verkehrte: Denn neue Forschungsergebnisse zeigten: Gerade diese Vorratslager sind es, die der Zirbe bei ihrer Ausbreitung helfen. Tatsächlich vergisst der Tannenhäher das eine oder andere Versteck aus dem Sommer, doch seine Fundquote ist dennoch erstaunlich hoch: Vier von fünf Nüssen landen im Winter im Schnabel des klugen Tieres – und das letzte Fünftel an Zirbensamen wächst über viele Jahre zu einem neuen Nahrungsspender für die Urururururenkel des geflügelten Försters heran.
„Der Tannenhäher ist daher kein Feind der Zirbe, sondern vielmehr ihr bester Freund auf dieser Erde“, erläutert Eva.
Eva ist Rangerin im Biosphärenpark Nockberge und bringt uns heute im Rahmen einer Themenwanderung den Lebensraum der „Königin der Alpen“ näher. „Doch nicht nur auf der Erde hat die Zirbe Freunde, sondern auch darunter.“, fährt Eva fort. „Der Mykorrhizapilz zieht sich wie eine Schutzschicht über das Wurzelwerk des Baumes, sodass die beiden Pflanzen lebenswichtige Stoffe untereinander austauschen können. Während der Baum den Pilz mit Zucker versorgt, den er aus der Photosynthese gewonnen hat, bedankt sich das unterirdische Schwammerl mit Stickstoff und Phosphor – und fungiert im Winter als natürlicher Schutzmantel gegen den Frost.“
 
© Martin Marktl / Der Tannenhäher – einst Geburtshelfer dieses jungen Zirbenbäumchens
Überhaupt scheint jede Pflanze im Zirbenwald ihre eigene, interessante Geschichte zu haben – und Eva kennt diese auch:
„Schaut mal, hier sehen wir den Weißen Germer. Ohne Blüten sieht er dem Gelben Enzian ähnlich, ihr wisst schon, der für den kräftigen Schnaps. Der Weiße Germer hingegen ist hochgiftig. Seine namensgebende weiße Milch wurde früher in der Jagd als Pfeilgilft verwendet.“
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© Martin Marktl / Eva seziert vorsichtig einen Germer-Stängel
Die Zirbe und der Weiße Germer scheinen sich gut zu vertragen, wie man an dem satten Bewuchs entlang des Weges sehen kann. Vor Pfeilgift fürchten muss sie sich nicht – viel gefährlicher für den stolzen, bis zu 30 m hohen Baumriesen ist ein Gebirgsgewitter. Da die Zirbe unter Naturschutz steht, ist es meist ein Blitz – und nicht der Mensch - der eine mächtige Zirbe zu Fall bringt.
Uns kann das nur recht sein, denn eine Zirbe lässt sich in der Regel weder von einem Blitzschlag, noch von monatelanger, gnadenloser Kälte aus aus der Bahn werfen - ihre Widerstandskraft gegen Unwetter und Frost lässt stattdessen viele bizarre Gestalten in den Himmel wachsen.

Wir gehen ein Stück weiter. Ein schmaler Pfad führt uns hinauf zum Hochmoor. „Bevor ich Euch zu den ältesten Zirben hier im Biosphärenpark Nockberge bringe, möchte ich Euch noch kurz zeigen, wie ein Zirbenzapfen aussieht, lange bevor sich der Tannenhäher für ihn zu interessieren beginnt.
Eva gibt einen kleinen Zweig durch die Runde. „Im Unterschied zu anderen Nadelhölzern haben Zirbennadeln ein dreikantiges Profil. Ihr könnt so leicht den Unterschied zwischen Zirben- und beispielsweise Lärchennadeln ertasten. Jedes Büschel besteht aus fünf immergrünen Nadeln …
… und in der Mitte befinden sich die kleinen Triebe, aus denen im Laufe mehrerer Jahre neue Zirbenzapfen heranwachsen.“

Etwa zwei Stunden sind wir bereits unterwegs, als Eva auf einer Lichtung ihren Rucksack abschultert und uns einlädt, auf der Almwiese Platz zu nehmen. Manch einer nutzt die Pause, um sich unter der fachkundigen Anleitung von Eva eine kleine Erinnerung an die Zirbenwanderung zusammenzustellen.
© Martin Marktl / Das geschnürte Paket
Zirbenholz riecht äußerst gut, seine wohltuende Wirkung auf den menschlichen Organismus ist wissenschaftlich fundiert. Auch wenn die Pflanze unter Naturschutz steht: Ein Zirbenkissen für den Kopfpolster darf sich jeder mitnehmen. Dafür benötigt man nicht viel mehr als eine Handvoll frischer Zirbennadeln (und ein paar Holzspäne, die Eva wohl schon vorher in den Rucksack gehüpft sind).
Unser Retourweg zum Ausgangspunkt am Turracher See führt uns durch ein von geschlossenem Gebirgswald geschütztes Hochmoor. Am Weg entlang des angrenzenden Schwarzsees zeugen alte Baumstümpfe vom Kommen und Gehen der Zirbe.
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© Martin Marktl / Schwarzseemoor
Hier auf etwa 2000 m Seehöhe stehen die ältesten Bäume entlang unserer gemütlichen Runde. Ein Gemisch aus Lärchen, Zirben und Fichten überzieht weite Teile der Nockberge. Zwischen der geschlossenen Walddecke durchquert der Wanderer auch immer wieder Kulturland, welches von Menschenhand für die Almbewirtschaftung geschaffen wurde. Beim Bau der Hütten bedienten sich die Bauern am Holz, welches direkt vor der Hütte wächst: Das robuste Lärchenholz wurde für tragende Wände oder für den Fußboden verwendet, während das weiche, gut zu bearbeitende Zirbenholz bei der Wandvertäfelung genauso zum Einsatz kam wie bei der Herstellung von Milchgeschirr.
Darum gebührt dem Tannenhäher unser aufrichtiger Dank für all seine Bemühungen! Weshalb wir am Ende der Wandertour auf ihn anstoßen –mit dem wohl bekanntesten Zirbenprodukt in den Nockbergen – dem „ang’setzten“ Schnapserl.
Prost!
Bilder und Texte: Martin Marktl / 03.07.2017

Autorenvorstellung: Martin Marktl

Ich bin Alpinjournalist und Wanderbuchautor ... weil ... ich dank meines Traumberufes den ganzen Sommer über die Berge ziehen kann. In meiner Freizeit verbringe ich viel Zeit mit allem, was mit Weitwandern zu tun hat - egal ob aktiv oder passiv.

 

Das besondere an der Kärntner Natur ist für mich der Gegensatz zwischen der Bergwelt an den Landesgrenzen und der Seenlandschaft in der Mitte. Mein Lieblingsplatz in der Natur ist ein guter Zeltplatz - mit einem Lagerfeuer davor. Mein Lieblingsgericht aus der Kärntner Küche sind die Fleischnudel meiner Mutter.

 

Lieblingszitat: “Everywhere is within walking distance - if you have the time.“

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