Berglust auf der Südseite der Alpen Bad Kleinkirchheim

YouTube Video

Berglust auf der Südseite der Alpen Nassfeld/Pressegger See - Lesachtal - Weissensee

YouTube Video

Berglust auf der Südseite der Alpen Biosphärenpark Nockberge

YouTube Video

Kräuterseminar in Irschen

Hohe Tauern – die Nationalpark-Region in Kärnten

Johanniskräuter und Seelenschmeichler in Irschen

Der 24. Juni ist ein besonderer Tag im Kalender - der Johannitag. Alle wichtigen Heilkräuter für die Hausapotheke sollten am besten heute gepflückt werden. Zu diesem Anlass nehme ich am Kräuterseminar „Johanniskräuter und Seelenschmeichler“ teil.

Welcher Ort wäre besser geeignet, als das Kräuterdorf Irschen. Jedes Jahr wird hier im Juli zu einem großen Kräuterfest eingeladen und Wissen und Speisen rund um den Kräutergarten angeboten.

Weiterlesen
© Sabrina Schütt

Von Blumen, Kräutern und Hexen

Kräuterpädagogin Hildegard empfängt uns an einer liebevoll geschmückten Tafel unter einem wunderschönen alten Wallnussbaum. In vielen Gefäßen leuchten Blumen in gelb, lila, rot und orange. Wie wir später erfahren werden, sind sie nicht nur zur Deko da. Doch zunächst starten wir unsere Runde durch die Kräutergärten Irschens. Vor circa zwanzig Jahren begannen einige Frauen mit einem Beet, in dem sie Kräuter anpflanzten, um das Wissen über den Nutzen der Pflanzen wieder ins Bewusstsein zu rufen.
Doch die Tradition Kräuter zur Heilung zu nutzen reicht in Irschen viel weiter zurück. Durch die Hexenverbrennungen ist jedoch ein Großteil dieses Wissens verloren gegangen. Heute steigt das Interesse daran wieder stetig.
 

Sonnenwende

Das besondere Thema des heutigen Kräuterseminars sind die Johannikräuter. Sie tragen ihren Namen nach dem heiligen Johannes und dem dazu gehörigen Johannitag, am 24. Juni. Doch eigentlich könnten sie auch Sonnwendkräuter heißen, erzählt Hildegard. Denn die alten Traditionen pflegten die besonderen Kräuter dieser Jahreszeit zur Sonnenwende, am 21. Juni, für Feuerrituale und Kränze zu nutzen.
error!
© Sabrina Schütt
Denn an diesem Tag, erreicht die Sonne am Mittag ihren Höchststand und beschert uns den längsten Tag und die kürzeste Nacht des Jahres. Große Sonnwendfeuer zur Reinigung der Luft von dem Bösen und Schutz vor Gewittern wurden entfacht und Frauen sprangen mit Beifußgürteln über das Feuer, um die Fruchtbarkeit zu erhöhen. Die Kirche wollte diese heidnischen Bräuche verbieten. Doch die Menschen hielten an den Ritualen fest, da sie von der besonderen Kraft dieser Zeit überzeugt waren. So schuf die Kirche den Johannitag, der bis heute die Wende von den Frühlings- zu den Sommerkräutern einläutet.
Wir spazieren von Kräutergarten zu Kräutergarten und aus Hildegard sprudelt ein unfassbares Wissen über jedes einzelne Kraut heraus. Auf jede Frage hat sie eine Antwort parat. Hier der Salbei ein gutes Gewürz, ja sicher, aber seine schweißhemmende Wirkung ist besonders. Deshalb nehmen wir ein paar Blätter mit um später einen Sud zu kochen, aus dem wir ein natürliches Deo herstellen werden. Die Kornblume auch eine Johanniblume. Sie hilft bei Augenleiden und sollte unbedingt in der Sonne getrocknet werden, möchte man die leuchtende lila Farbe behalten. Voller Freude erzählt Hildegard und zupft hier und da ein Blatt ab und gibt es uns zu probieren.
© Sabrina Schütt
Einige Kräuter kenne ich, andere sind mir wiederum fremd. Der Geschmack schwankt zwischen würzig, scharf und säuerlich bis zum Geschmack, als hätte man gerade eine Ziege abgeleckt. Aber was gesund ist, muss ja nicht zwangsläufig schmecken.
Hildegard merkt an, dass es gerade bei der Behandlung von Kräutern sehr wichtig sei auf den eigenen Körper zu hören. Der zeige einem schon an, was man brauche und gut vertrage.
© Sabrina Schütt
Am Kräuterkraftkreis, der für die Verbindung der vier Elemente Feuer, Wasser, Luft und Erde steht, finden wir Beifuß und ich bekomme einen wertvollen Tipp für meine weiteren Bergtouren. Wer die Beine vor einer anstrengenden Tour mit einer verdünnten Beifußtinktur einreibt, wird am nächsten Tag keinen Muskelkater bekommen. Als Einstiegskräuterhexe schwirrt mir langsam schon der Kopf und ich weiß nicht, wie ich das alles jemals behalten soll. Aber Hildegard beruhigt mich, denn alles braucht seine Zeit und sie empfiehlt sich jedes Jahr zwei bis drei Kräuter auszusuchen und diese über das ganze Jahr zu beobachten. Die vielen verschiedenen Phasen vom Trieb bis zum Verblühen seien sehr spannend und wichtig zu kennen.
Zurück beim Kräuterhaus Pfarrstadl sind wir alle schon hungrig und machen uns an die Zubereitung unseres wohlverdienten Mittagessens. Jetzt geht es den Blüten und Kräutern an den Kragen. In unseren Topfen mischen wir Ringelblumenblütenblätter, Schnittlauch, Oregano, Wiesensalbeiblüten und alles was die Kapuzinerkresse zu bieten hat.
Diese sollte in keinem Kräutergarten fehlen und wird auch das Antibiotikum der armen Leute genannt. Zur Krönung wird der Blütentopfen in die Blüten der Taglilien gefüllt. Ich bin zunächst etwas skeptisch in eine Blume zu beißen und bin ganz überrascht als sich in meinem Mund ein frischer, süßlicher und fruchtiger Geschmack ausbreitet. Unser Tomaten-Kräuterpesto, das Hildegard hier unter freiem Himmel zaubert, passt hervorragend zu den Dinkelspaghetti und wird von einem knackigen Salat, mit weiteren Blüten verziert, abgerundet. Zum Nachtisch gönnen wir uns noch einen Johannisbeerkuchen, der auch genau zum Johannitag passt, da diese Beeren immer rund um diesen Tag reif sind.
© Sabrina Schütt

Es brodelt in der Kräuterküche

Nach dem Essen machen wir uns daran die Blüten des gelbleuchtenden Johnniskraut zu zupfen , um unser Rotöl herzustellen. Durch das sogenannte dreiwöchige Ausziehen des Öls in der Sonne, bekommt es seine namenstypische rote Farbe. Es soll die Energie der Sonne auch für den Winter einfangen und so bei leichten depressiven Verstimmungen helfen oder Magenprobleme beheben. Außerdem hilft es bei der Narbenheilung oder leichten Verbrennungen, erklärt Hildegard.
Für das natürliche Deo kommen jetzt unsere Salbeiblätter zum Einsatz. Hierfür mischen wir abgekochtes Wasser, Natron und Salbei zusammen - fertig. Ein Löffelchen davon, ein Prise hiervon, einfüllen, umfüllen, ein bisschen wie in einer guten Hexenküche und auch der Rosensirup, den wir noch einkochen, schaut aus wie ein Liebeszaubertrank.

 

Räucherhygiene

Zum Abschluss hat Hildegard noch ein Räucherritual für uns vorbereitet. Im Westen sei das Räuchern ziemlich in Vergessenheit geraten, während Naturvölker noch ausgiebig Räuchern um die Luft und den Geist zu reinigen. Hildegard hat sichtlich Freude am Räuchern und so steigt die Rauchschwade nach Kräutern duftend Richtung Himmel auf.

Nach diesem Tag werde ich mit anderen Augen durch die Blumenwiese vor unserem Haus laufen und das ein oder andere Rezept selbst ausprobieren. Das ganze Wissen über Kräuter hat mich fasziniert und bestimmt komme ich wieder, denn bis ich selbst zur Kräuterexpertin werde, muss ich noch einiges lernen.

Bilder und Texte: Sabrina Schütt / 27.06.2017
Autorin Sabrina Schütt

Autorenvorstellung: Sabrina Schütt

Ich bin Yogalehrerin und freie Redakteurin ... weil ... ich so meine Freiheit genießen kann. Mit Yoga kann ich Menschen einen Moment der Ruhe schenken und mit Worten meiner Freude am Schreiben nachgehen. In meiner Freizeit bin ich gerne in den Bergen unterwegs, entweder beim Klettern oder Wandern.

 

Das besondere an der Kärntner Natur ist für mich die faszinierende Schönheit und die immer noch wilden und unberührten Flecken, die es zu erkunden gibt. Mein Lieblingslingsgericht aus der Kärntner Küche sind Kasnudeln.

 

Lieblingszitat: ... alle sagten: Wir werden umso authentischer je näher wir dem Traum kommen, den wir selbst von uns haben.

Geschichten aus der Region

Sensopark Berg/Drau

Wildnistour im Nationalpark mit E-Bike, Wanderschuhen und Fernglas

next page