Berglust auf der Südseite der Alpen Bad Kleinkirchheim

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Berglust auf der Südseite der Alpen Nassfeld/Pressegger See - Lesachtal - Weissensee

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Berglust auf der Südseite der Alpen Biosphärenpark Nockberge

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Themenwanderung durch die Gemeinde Gnesau

In den Nockbergen

(Nicht) Auf dem Holzweg

Liebe Leser – begleitet mich doch heute auf einer Zeitreise in das Obere Gurktal! Die Gemeinde Gnesau ist eines der Eintrittstore in das Gebiet des Biosphärenparks Nockberge. Ein breites Hochtal verbindet die Gipfel der Gurktaler Alpen mit dem Kärntner Zentralraum. Zwischen Gnesau und Ebene Reichenau, auf etwa 1000 Metern Seehöhe gelegen, befindet sich eine der schönsten, bäuerlich geprägten Kulturlandschaften des Landes.

Und genau diese Landschaft werde ich heute erkunden – ganz ohne Programm, auf eigene Faust. Insbesondere möchte ich vor Ort sehen, wie es den Menschen im Laufe der Zeit gelungen ist, sich auf dieser Seehöhe ein Leben aufzubauen. Der Holzkulturweg, der inmitten der bäuerlichen Nutzgebiete durch das Gemeindegebiet von Gnesau führt, soll mir dazu als roter Faden dienen. „Holz“ als Leitthema ist in einer Region, die beinahe zu zwei Dritteln mit dichtem, gesundem Wald überzogen ist, bestens geeignet für meine Spurensuche.

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© Martin Marktl / Alte, gut erhaltene Verzierung eines Bienenkastens
Ich entscheide mich für eine Streckenwanderung mit Startpunkt Gnesau Ortsmitte. Der Weg führt anfangs über den Gurkfluss auf die Sonnenseite des Hochtales. Etwa auf halbem Weg werde ich die Flussseite wechseln, um auch die „Schatt‘seite“ kennenzulernen.

Zur Besiedelung des Oberen Gurktales konnte ich bereits in Erfahrung bringen, dass sich die ersten wackeren Bauern hier vor rund einem Jahrtausend ansiedelten. Die Landesfürsten vergaben im Hochmittelalter Grundstücke zur Bewirtschaftung an ihre Untertanen.
Das mittelalterliche Lehenswesen, von dem sich der Grundbesitz der Bauern herleitet, sah vor, dass die nutzbare Fläche eines Gehöfts groß genug war, um eine Familie ernähren zu können. Auf einer Seehöhe von 1000 Metern und mehr brauchte man dafür einiges an Land – das erklärt, dass die Höfe im Oberen Gurktal im Vergleich zu niederen Lagen recht weit auseinanderstehen.
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© Martin Marktl / Eingebettet zwischen Wiese und ausgedehnten Wäldern - das Gurktaler Bauernhaus
Nach etwa 20 Minuten auf dem Holzkulturweg steht man nahe dem Ufer der Gurk vor einem der Gnesauer Bauernhöfe und kann sich einen ersten Eindruck verschaffen. Seit jeher gruppieren sich auf den Höfen des Gurktales unterschiedlichste Gebäude aneinander. Das Wohnhaus wird meist durch einen wuchtigen Stadel vom direkten Wettereinfluss geschützt. Daneben standen früher etliche weitere Gebäude: das Auszughaus für die Altbauersleut’, ein Schweinestall, die Holzhütte, ein Bretter- und Wagenschuppen, ein Bienenhäuschen und ein Plumpsklo.
© Martin Marktl / Eine Bäuerliche Schatzkammer am Gnesauer Holzkulturweg
Aus Brandschutzgründen etwas weiter entfernt stand der Troadkasten, in dem sämtliche Lebensmittel des Hofes, aber auch andere Kostbarkeiten wie das Feiertagsgewand, sicher verwahrt wurden. Wer bei diesen hölzernen Turmbauten, die es heute noch im Gurktal zu bewundern gibt, genauer hinsieht, findet zweckmäßige Details, wie beispielsweise die „Mauswehren“, die den kleinen Nagern das Hochklettern an den Außenwänden verscherzten (am Bild etwa auf halber Höhe). Typisch ist auch die Abhebung des Speicherbaues vom Erdboden zum Schutz vor Feuchtigkeit.
Alle Gebäude zusammengenommen gelten als bauliche Besonderheit der Nockberge und werden als Ringhof bezeichnet. Dieser Begriff ist etwas irreführend, denn immer schon war es die Richtung, aus der das Schlechtwetter kam, die die Ausrichtung der Gebäude bestimmte, nicht der Wunsch nach einer bestimmten Anordnung.
Als Baumaterial bediente man sich – no na! – der Rohstoffe, die man vor der Haustür hatte. Holz war vielfach das wortwörtliche „tragende Element“. Auch für das Verbinden der einzelnen Bauteile brauchte man keine zusätzlichen Materialien.

Am schönsten kommt dies bei den eckseitigen Abschlüssen der Blockbauten zum Einsatz, wo sich Handwerker besondere Mühe gaben, ihre Kunstfertigkeit unter Beweis zu stellen.
© Martin Marktl / Die aufwändige "Klingschrotverbindung" gilt als typisch für den Oberkärntner Raum
Während wir einige wenige Höhenmeter oberhalb der Gurk durch das gleichnamige Tal streifen, bieten sich uns immer wieder schöne Blicke zum gemütlich dahinmäandernden Fluss und auf das heutige Ortszentrum. Früher, also etwa vor einem halben Jahrhundert, verlief dort, wo sich jetzt die Bundesstraße Richtung Nockberge zieht, noch eine schmale, geschotterte Straße. Auf unserer Höhe reihte sich damals wie heute eine Bauernhube an die andere, jedoch oft so weit voneinander entfernt, dass man sich mit Rufen nicht mehr verständigen konnte.

Heute ist die Form des „Ringhofes“ aus dem Landschaftsbild verschwunden, denn mit der Einführung der Maschinen änderten sich die Anforderungen an die Wirtschaftsgebäude. So mancher alte Stadel musste umgebaut werden, sodass die meist hangseitigen Zufahrtsbrücken auch mit dem Traktor befahrbar wurden. Nicht verloren ging jedoch die Bedeutung des Holzes für die Menschen.
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© Martin Marktl / Ein typischer Doppel-„Blochstadel“ aus dem Oberen Gurktal
Werfen wir aber auch kurz einen gedanklichen Blick in die gute Stube von damals: Im Wohnhaus befand sich die „Schwarze Kuchl“ (Küche), wo sich alles gesellschaftliche Leben abspielte. Schwarz deshalb, weil man sich der Wärme wegen auf einen Abzug verzichtete – und deshalb die Rauchschwaden oft bis zu den Hühnern unter der Sitzbank hinunterreichten. Die Kuchl war der einzige beheizte Raum im Haus. In der warmen Stube sponnen die Frauen ihr Garn, und reparierten die Männer ihr Werkzeug. Wieder war es das Holz, das Wärme und Licht spendete.
Holz war auch der wichtigste Werkstoff für viele Alltagsgegenstände.

So finden sich auf diesem Foto beispielhaft von links nach rechts zwei Holzschränke, eine Wäschemangel, ein Tragegestell, zwei Milchfässer, eine Heugabel und ein Sensengriff. Das längliche Holzgestell, welches hinten von der Decke baumelt, diente der mäusesicheren Lagerung von Brotlaiben.
Auf meiner Wanderung durch Gnesau sehe ich an einigen älteren Gebäuden noch die typischen kleinen Fenster jener Zeit, wo doppeltes, isoliertes Fensterglas noch keine Selbstverständlichkeit war. Heute hingegen strahlen die neu hinzugekommenen Holzhäuser von Gnesau schon von „Geburt“ an freundlich-helle, wohlige Behaglichkeit aus.

Neue Ideen aus Holz begleiten mich schon seit dem Beginn der Wanderung. Bei aller Aufgeschlossenheit für moderne Bauformen legen die Bewohner dennoch großen Wert darauf, dass ihre Häuser in Einklang mit dem kulturellen Erbe stehen. Gleichzeitig lernt man von den Vorfahren - wie zum Beispiel, die Bretter auf der Wetterseite immer senkrecht anzubringen. Denn so kann das Wasser ungehindert entlang der natürlichen Maserung abfließen.
© Martin Marktl / In den Gemeinden an der "Holzstraße" ist Holz auch heute noch ein bevorzugter Baustoff
Der Gnesauer Ortsteil Maitratten erhielt seinen Namen wohl, weil früher die Bauern ihr Vieh am Weg auf die Almen zuerst auf niedrigeren Lagen einige Wochen grasen ließen, bevor es weiter in die Berge ging. Man kennt derlei Namen beispielsweise auch aus der Schweiz, wo man mit den Tieren zuerst auf der „Maiensäss“ Station machte. Die „Tratte“ ist eine Flurbezeichnung, die man in Österreich öfters findet, und die sich wohl am besten mit „Weideland“ übersetzen lässt.
© Martin Marktl / Ausschnitt aus den „Vier Jahreszeiten” von Franz Leeb
Genau hier in Maitratten wechseln wir die Straßenseite und besuchen die „Eben“, eine in der letzten Eiszeit geformte Gunstlage mit einigen sehr schönen Bauernhöfen mittendrin. Vorher noch bieten sich die Skulpturen des Holzkünstlers Franz Leeb als Fotomotiv an.

Vorbei an einigen sehr schönen, von der Sonne gebräunten Hausfassaden gelange ich zu einem landschaftlich besonders schönen Abschnitt des Holzkulturweges. Auf den Wiesen um die Höfe herrscht geschäftiges Treiben – es gilt, das gute Wetter für die Heuernte zu nutzen.
Mein Weg führt am Waldrand entlang taleinwärts. Etwa auf halbem Weg erwartet mich ein besonderes Ausstellungsstück: Hier haben die heimischen Bauern unter Anleitung eines ehemaligen Holzknechtes eine originalgetreue Rindenhütte nachgebaut.
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© Martin Marktl / Schöner Wohnen auf der Maitratten
© Martin Marktl / Rindenhütten dienten als einfache Unterkunft bei Waldarbeiten
Rindenhütten dienten bis zur Mitte des vergangenen Jahrhunderts als einfache Unterkunft bei Waldarbeiten. Um zu den entlegenen Schlägerungsstätten in den Wäldern des Oberen Gurktales zu kommen, waren oft stundenlange Aufstiege vonnöten. Die Knechte blieben daher meist vor Ort, bis die Arbeit getan war. Um sich vor Wind und Wetter zu schützen, errichtete man diese einfachen Verschläge, in denen man sich auf einer kleinen Kochstelle aus mitgebrachtem Speck und Eiern eine „Frigga“ zubereitete, bevor man sich auf der Liegestatt vom anstrengenden Tagwerk erholte.
Am Ende der etwa zweistündigen Strecke steht auch mir der Sinn nach nach einer kleinen Stärkung, weshalb ich froh bin, dass es am Holzkulturweg nicht nur beim Startpunkt in Gnesau, sondern auch beim Schlußpunkt Ende meiner „Zeitreise“ in Haidenbach beim Gasthof Wunder eine Einkehrmöglichkeit wartet.
Mahlzeit & „Gut Holz“!
Bilder und Text: Martin Marktl / 02. Juli 2017

 

Holzkulturwanderweg (6 km, 2 Std., 120 Höhenmeter)

Ausgangspunkt: Kulturhaus Gnesau (GH Kirchenwirt)
Endpunkt: GH Wunder in Haidenbach
Charakteristik:  Leichter Themenweg, auch für Kinder geeignet, mit Kinderwagen befahrbar. Zwischen Anfangs- und Endpunkt verkehrt der Postbus, Fahrplan unter www.postbus.at. Zu Fuß gelangt man über den markierten „Gnesauer Rundwanderweg“ zurück zum Ausgangspunkt.
Kurzbeschreibung: Informativ und lehrreich werden die verschiedenen heimischen Holzarten entlang des Weges anhand von 20 Schautafeln vorgestellt. Gleichzeitig können die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten des Baustoffes Holz in der Vergangenheit und Gegenwart bewundert werden. Alte Bauernhäuser wechseln sich mit Holzhäusern neuerer Bauart ab.

Autorenvorstellung: Martin Marktl

Ich bin Alpinjournalist und Wanderbuchautor ... weil ... ich dank meines Traumberufes den ganzen Sommer über die Berge ziehen kann. In meiner Freizeit verbringe ich viel Zeit mit allem, was mit Weitwandern zu tun hat - egal ob aktiv oder passiv.

 

Das besondere an der Kärntner Natur ist für mich der Gegensatz zwischen der Bergwelt an den Landesgrenzen und der Seenlandschaft in der Mitte. Mein Lieblingsplatz in der Natur ist ein guter Zeltplatz - mit einem Lagerfeuer davor. Mein Lieblingsgericht aus der Kärntner Küche sind die Fleischnudel meiner Mutter.

 

Lieblingszitat: “Everywhere is within walking distance - if you have the time.“

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