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Sočatal - Eine Entdeckungsreise zwischen Naturfaszination und Weltgeschichte

Alpe-Adria-Trail

Sočatal - Eine Entdeckungsreise zwischen Naturfaszination und Weltgeschichte

Das slowenische Sočatal ist eine der idyllischsten Flusslandschaften der Alpen und war zugleich Schauplatz der blutigsten Gebirgskämpfe des Ersten Weltkrieges. Eindrücke einer Bergwanderung entlang des Alpe-Adria-Trails vom einsamen Bergdorf Drežnica in das lebendige Städtchen Tolmin.

Über Jahrtausende hat sich der smaragdfarbene Soča-Fluss tief in das Kalkgestein der Julischen Alpen geschliffen und eines der schönsten Naturjuwele Sloweniens geschaffen. Die intensiv grüne Farbe des Wassers, versteckte Klammen und wilde Stromschnellen umrahmt von kühnen Bergen begründen die viel gerühmte Faszination dieses Tales. Oberhalb von Kobarid - dort wo sich der ungestüme Fluss zu beruhigen beginnt - startet diese Wanderung im einsamen Bergdorf Drežnica.

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© Andreas Kranzmayr / Bergdorf Drežnica - Wallfahrtsort & Weltkriegskommandantur

Drežnica - Wallfahrtskirche & Weltkriegskommandantur

Um 07:00 Uhr treffe ich in Drežnica ein. Das kleine Bergdorf versteckt sich auf einer ebenso kleinen Hochfläche an der Westflanke des mächtigen Krn-Massives (2.244 m). Der Ort schläft noch. Den Pfarrer scheint meine Ankunft jedoch zu freuen, läuten doch alle Glocken der Dorfkirche. Und auch der Himmel weint Freudentränen. So wie er es heute noch des Öftern tun wird. Düstere Wolken hängen am Krn und schaffen eine dramatische Atmosphäre.
Vor meinem Abmarsch besuche ich noch die für das Dorf eigentlich viel zu große Kirche. Die Lösung dieses Rätsels erfahre ich erst im Nachhinein: es ist eine beliebte Wallfahrtskirche! Neben architektonischen Details begeistert diese mit der größten Orgel der Region. Aus diesem Grund finden hier auch zahlreiche Orgelkonzerte mit namhaften Organisten statt. Wer hätte das vermutet?
 

Bergdorf Drežnica

Das idyllische Bergdorf birgt noch ein weiteres „Geheimnis“: Am Dorfplatz zeugt eine unscheinbare Granate von den Wirren des Ersten Weltkrieges. Das ist symptomatisch für diese Tour bzw. das Soča-tal im Allgemeinen. Man steht zwar fest im Heute und dennoch ist die berühmt-berüchtigte Isonzo-Front allgegenwärtig (Mehr dazu im Anhang unter „Isonzo-Front“).

Aber welche Rolle spielte nun Drežnica in diesem Drama? Der Krn war aufgrund seiner strategischen Wichtigkeit einer der heiß umkämpftesten Gipfel der Isonzo-Front. Die Italiener verlegten deswegen das Kommando ihrer Alpinigruppen von Kobarid nach Drežnica, um näher am Geschehen zu sein.
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© Andreas Kranzmayr
Sie koordinierten von diesem Bergdorf aus ihre Offensiven im Krn-Gebiet und im gesamten Bovecer Raum. Die Bevölkerung wurde zwangsumgesiedelt. Danach entstanden neben Kommandantur, Soldatenunterkünften und Kavernen auch ein Lazarett sowie ein Netz aus Wegen und Seilbahnen zur Frontversorgung. Heute erinnert in erster Linie der „Pot Miru“ - der Weg des Friedens - an diese dramatische Zeit. Und zahlreiche in der Landschaft verborgene Relikte, deren Bedeutung sich erst mit Weltkriegswissen erschließt.
© Andreas Kranzmayr / Die Skulpturenmeile zwischen Drežnica und Koseč

Kunst zum Einwandern

Auf geht’s! Vom Dorfplatz in Drežnica folgt der Alpe-Adria-Trail einer Asphaltstraße, welche sich nach Kurzem als kreative Freiluft-Kunstgalerie entpuppt. Spannende Skulpturen aus Stein, Holz und Metall mit unterschiedlichsten Themenausrichtungen regen zum Sinnieren an. Die Begriffe „Straßen-Kunst“ und „Land-ART“ bekommen für mich dabei eine neue Bedeutung. Die Kunstwerke sind übrigens die Resultate der Kunst-Workshops "Lepota v lesu in kamnu" (Schönheit in Holz und Stein).

Aufstieg durch den Regenwald

In der bäuerlichen Siedlung Koseč endet die Kunstmeile ebenso unerwartet wie diese begann. Mit den üppigen Gemüsegärten verlasse ich die „Zivilisation“ und wandere auf einem gemütlichen Fahrweg durch urwaldartigen Bergwald aufwärts. Der Regen trommelt stumpf auf den Regenschirm. Mystisch ziehen Nebelschwaden durchs Gehölz. Erinnerungen an die Nebelwälder La Gomeras und die Bergregenwälder Perus werden wach.
© Andreas Kranzmayr / Aufstieg durch mystischen Regenwald
Diese Gedanken lassen mich schmunzeln liegt das Abenteuer „Alpe-Adria-Trail“ doch quasi vor der Haustür! Den Blick nach innen gerichtet komme ich zu der Erkenntnis, dass Abenteuer mehr mit einer offenen Geisteshaltung zu tun hat, denn mit exotischer Ferne :-) Die moderate Steigung des Weges und dessen teilweise Steinpflasterung entlarven diesen als alte italienische Militärstraße. Vereinzelt eröffnen sich eindrucksvolle Tiefblicke auf ein Nebelmeer, das förmlich an das Krn-Massiv zu branden scheint. Gelegentlich quere ich auch alte Kulturlandschaften, die sich die Natur langsam wieder einverleibt.

Soldatenkapelle „Bes na Planici“ & der höchste Punkt der Tour

Bei der Soldatenkapelle „Bes na Planici“ ist der Aufstieg so gut wie geschafft. Diese wurde im Jahre 1917 zu Ehren des gefallenen italienischen Hauptmanns Celestino Bes errichtet. Kaum fertiggestellt gelang den Österreichern der endgültige Frontdurchbruch. Heute pflegebedürftig erinnert sie nicht nur an die menschliche Tragödie, sondern auch an das große italienische Militärlager (Unterkünfte, Lazarett, Artilleriestellungen, ...), das sich hier damals befand. Verfallene Geländestufen, verwachsene Straßenkreuzungen uvm. weisen im Gelände noch heute darauf hin.
© Andreas Kranzmayr / Soldatenkapelle „Bes na Planic
Wenige Meter danach habe ich mit dem Sattel den höchsten Punkt der Wanderung erreicht. Auch hier sind noch Schützenlöcher erkennbar. Später sollte ich im Weltkriegsmuseum von Kobarid erfahren, dass am Pleče - dem nahen Gipfel in südöstliche Richtung - ein italienischer Scheinwerfer stationiert war, der die österreich-ungarischen Stellungen am gegenüberliegenden, rund 3 (!) km entfernten Bergrücken ausleuchtete. Wie das damals wohl technisch funktioniert hat?
© Andreas Kranzmayr / Genussvoller Höhenweg im luftigen Buchwald

Höhenweg durch luftigen Buchenwald

Am Sattel wechselt der Bergwald schlagartig sein Aussehen. Nach Dschungeldickicht führt nun ein wundervoller Wanderweg sanft abfallend durch luftigen Buchhochwald. Er lässt frei durchatmen und regt mit knorrigen Baumwesen die Fantasie an. Wandern wird hier förmlich zum Lustwandeln!

Planini Kuhinja - Uraltes Almgebiet & landschaftliches Amphitheater

Mit dem Verlassen des Buchenwaldes beginnt die weitläufige Planini Kuhinja, ein herrliches Almgebiet. Wie auf Bestellung hört der Regen auf und der Nebel beginnt sich, mit jedem Schritt mehr zu lichten. Im Zentrum der Alm angekommen, zeigt sich diese in ihrer ganzen Pracht: sanfte Almmatten umrahmt von den halbkreisförmigen Gipfelabbrüchen des Krn-Massives - ein gigantisches Amphitheater! Verstreute Hirtenhütten und wunderbare Tiefblicke ins entfernte Sočatal komplettieren das fast kitschig schöne Landschaftsbild. Kaum vermutet handelt es sich um uraltes Kulturland.

So wird die Alm bereits im 12. Jhd. urkundlich erwähnt. Im Ersten Weltkrieg hat sie dann schwer gelitten. Man darf nicht vergessen: auf den ausgesetzten Höhenrücken verlief die Isonzo-Front! Der Krn - der höchste Punkt des Massives - war von strategischer Bedeutung. Die italienischen Alpini konnten diesen Gipfel gleich zu Beginn durch einen kühnen Handstreich erobern und letztendlich bis zur 12. Offensive (= endgültiger Frontdurchbruch) halten. Der über zwei Jahre andauernde Beschuss ließ den Gipfel sogar etwas niedriger werden. Spätestens hier wird die Faszination zwischen Naturjuwel und Weltkriegsdrama bewusst!
© Andreas Kranzmayr / Berghütte „Koča na planini Kuhinja“ - Herzlichkeit & Köstlichkeit

„Koča na planini Kuhinja“ - Slowenische Gastlichkeit & regionale Köstlichkeiten

Pünktlich zur Mittagszeit treffe ich auf der gastfreundlichen Berghütte „Koča na planini Kuhinja“ ein. Im unteren Drittel des Almgebietes gelegen erlaubt diese wundervolle Panoramablicke - nach oben und unten. Beim hüttentypischen Gulasch mit Polenta lasse ich es mir gut gehen. Zur Nachspeise gibt es auf Anraten der herzlichen Wirtin die Spezialität des Hauses - Kobariki struklji (köstliche süße Teigtaschen).
Die Kommunikation mit den Wirtsleuten ist lustig. Mein Slowenisch beschränkt sich auf „srečno“ (= Servus als Verabschiedung), deren Deutsch auf „Guten Appetit“. Für die Bestellung reichen Hände und Füße, für komplexere Fragen in Hinblick auf die Historie ruft die Wirtin kurzerhand einen deutschsprechenden Freund an, der via Telefon dolmetscht. Es lebe das Mobiltelefon!
 
So erfuhr ich, dass sich im oberen Almbereich ein über 5.000 Jahre alter Steinkreis mit zwei starken Energiepunkten befindet - ein steinzeitlicher Kult- und Kraftplatz. Unglaublich, oder? Vor der Hütte zeigt mir dann der Wirt einen Kraftstein aus dem Nahumfeld dieses Steinkreises, an dem man seine Energie durch Handauflegung wieder aufladen kann. Er sagt´s mit schelmischem Grinsen. Marketingtechnisch jedenfalls eine gute Idee ;-)
© Andreas Kranzmayr / Dorf Krn - Leben in der Bergeinsamkeit

Dorf Krn - Leben in der Bergeinsamkeit

Knapp unter der Planini Kuhinja gelange ich ins „Dorf“ Krn. Eigentlich ist es nur eine Handvoll bäuerlicher Häuser, die sich an der einzigen Straße auffädeln und eine kleine Kirche. Die umliegenden Wiesen sind steil, darunter schließt dichter Bergurwald an. Ein Gefühl von Abgeschiedenheit macht sich breit. Was einst wohl die Gründer dazu bewogen hat, sich hier oben niederzulassen? Am zweiten Blick begeistern unzählige Details, die von stolzer Tradition und intakter Selbstversorgung erzählen: architektonische Eigenheiten, prachtvoller Blumenschmuck, farbenfrohe Gemüsegärten, steile Kartoffelfelder, ... Der hohe Altersdurchschnitt der Einwohner von Krn erinnert aber auch an die Endlichkeit dieser zivilisatorischen Bastion inmitten der Bergeinsamkeit.

Abstieg durch Bergurwald

Am Ende der Krner-Dorfstraße taucht der Alpe-Adria-Trail wieder in den dichten Bergurwald ein und ein langer Abstieg beginnt. Anfangs folgt der Weg vereinzelt alten italienischen Militärstraßen, dann vielfach kleinen Steigen und teilweise modernen Forststraßen.
 
Im Wald verborgene Wasserfälle, verfallene Hütten und mystische Baummonster sorgen für willkommene Abwechslung. Ein Highlight ist der Blick auf den 104 m hohen Brinta-Wasserfall und das Dorf Vrsno, das wie ein Schwalbennest darüber sitzt. Einfach nur imposant! Mit jedem Schritt bergab wird die Abgeschiedenheit des Dorfes Krn stärker bewusst.
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© Andreas Kranzmayr / 1. Blick ins Sočatal - Ist nicht mehr weit :-)

Sočatal - Ort der Begegnung & Wandern im Flow

In der Siedlung Gabrje ist der Talboden endlich erreicht. Ich könnte schwören, dass meine Schuhe gequalmt haben. Das merkte anscheinend auch Marco, ein deutschsprechender Einheimischer am Wegesrand. Er schenkt mir Äpfel und erzählt viel über die Region. Nach einer ebenso lustigen wie spannenden halben Stunde marschiere ich die Talebene hinaus zum Soča-Fluss. Ihre Wildheit hat sie hier schon längst verloren, aber ihre smaragdgrüne Farbe fasziniert nach wie vor. Die letzten vier Kilometer bis nach Tolmin vergehen wie im Flug. Die Ebene erlaubt schnelles Gehen. So stellt sich rasch das Flowgefühl ein und der Geist beginnt zu fliegen ... Ein gelungener Abschluss für einen langen Tag!

Was bleibt?
Es begann als normale Wanderung und endete als spannende Entdeckungsreise. Ich habe viel Spannendes über das Sočatal, aber auch einiges über mich gelernt. Genau das macht für mich den Reiz des Weitwanderns aus - die EntdeckerLust!
 

Die besten Tipps auf der Entdeckungsreise

Tipp 1: Museum von Kobarid
Das preisgekrönte Museum bietet sich hervorragend an, um sich einen kurzweiligen Überblick über die Geschehnisse an der Isonzo-Front zu holen: räumlich, militärisch und auch menschlich. Im Museumsshop ist zudem umfangreiche Literatur zu diesem Thema erhältlich. Wer Spezialfragen hat, findet im Kustos des Museums einen profunden Kenner dieses Frontabschnittes.
 
Tipp 2: Private Weltkriegssammlung Botognice / Drežnica
Die private Weltkriegssammlung Botognice in Drežnica ist einen Besuch wert. Leider ist dieser während der Wanderung zeitlich kaum machbar. Mirko Kurinčič hat auf jahrzehntelangen Streifzügen durch das Krn-Gebiet diese Sammlung zusammengetragen und gilt heute als einer der profundesten Kenner der Iszono-Front.
 
Tipp 3: Freilichtmuseum Kolovrat
Am Höhenrücken des Kolovrat wurden die Befestigungsanlagen auf Kote 1.114 m weitgehend restauriert und erlauben nun einen guten Einblick in das italienische Stellungswesen.

„Die Isonzo-Front“:

Nachdem Italien im Jahre 1915 im Zuge des Ersten Weltkrieges seine Neutralität aufgab und der Österreich-Ungarische Monarchie den Krieg erklärte, entwickelte sich entlang des Isonzos (italienisch für Soča) der blutigste Gebirgskrieg, den die Menschheit bisher erlebt hat. Innerhalb von 3 Jahren wurden 11 Offensiven geführt. Der Frontlinie verschob sich dabei immer nur marginal. Gekämpft wurde um jeden Meter. Die feindlichen Schützengräben lagen teilweise nur 30 m auseinander. Angriff, Verteidigung, Hunger, Durst, Krankheit, Regen, Blitzschlag, Lawinen, ... waren soldatischer Alltag. Erst die 12. Offensive brachte im Jahre 1917 die Klärung zugunsten der Monarchie.
 

Alpe-Adria-Trail

In 750 km vom Gletscher am Fuße des Großglockners über die Julischen Alpen bis ins Hafenstädtchen Muggia an der Adria.

In 43 Etappen – jede um die 20 km – erlebt man die Länder Österreich, Slowenien und Italien.

Die persönliche Distanz bestimmt jeder Wanderer selbst. Die Etappen kann man einzeln auswählen oder nach Wunsch kombinieren. Ein Gepäcktransport erleichtert die Touren.
Weitere Informationen beim Alpe-Adria-Trail Buchungscenter Kärnten
Tel. 0043-4824-2700, und unter www.alpe-adria-trail.com
 
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Bilder und Text: Andreas Kranzmayr / 27. und 28. Juli 2015

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