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Von kleinen Bergen und großen Fischen

Alpe-Adria-Trail

Von kleinen Bergen und großen Fischen

"Briccius, ein Däne von Geburt, wanderte nach Byzanz, wo er sich durch große Kriegstaten, auffallende Talente und einen ungemein frommen Lebenswandel auszeichnete, so daß er zum Liebling des Kaisers wurde. Doch stille Sehnsucht nach der lieben Heimat erfaßte ihn, so bat er um seine Entlassung. In Pilgerkleider gehüllt, trat er den weiten Weg in die Heimat an. In Italien gelandet, zog er über die Julischen Alpen den Norischen entgegen. Unweit des Pasterzengletschers, da, wo jetzt die Bricciuskapelle steht, überfiel ihn ein Schneesturm und er fand darin den Tod."

So steht’s im Sagenbuch geschrieben, also wird’s wohl stimmen. Für uns weniger fromme Weitwanderer entstand ein weniger langer Weg auf dem letzten Teil seiner damaligen Pilgerroute - der Alpe-Adria-Trail. Wir jedoch gehen in die andere Richtung: Jeder, der heute von Heiligenblut Richtung Süden startet, hat rund 700 entspannte Kilometer vor sich. Denn um Streckenrekorde geht es hier nicht - der Alpe-Adria-Trail punktet nicht mit Höhenmetern, sondern mit einem Kennenlern-Programm der regionstypischen Landschaft, Kultur und Kulinarik.

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© Martin Marktl, Kärnten Werbung / Wandern auf weichem Boden
Briccius wird damals wohl einem Flußlauf nach Norden gefolgt sein – die Markierungen kamen ja erst ein Weilchen später. Vieles spricht dafür, dass es tatsächlich der Isonzo war, der dem frommen Mann den Weg nach Kärnten wies.

Der „schönste Fluss Europas“, wie ihn viele nennen, begleitet den Weitwanderer auch heute noch von den Julischen Alpen bis ans Meer. Von seinem Ursprung ist es in Richtung Norden auch nicht mehr weit ins Kärntner Seenbecken, welches den oberen Teil des Drei-Länder-Weges prägt.
Was den Alpe-Adria-Trail von anderen Wegen unterscheidet, lässt sich am besten anhand seiner Etappen beschreiben: Rund drei Wanderwochen des Trails führen durch Kärnten. Wer die Landschaft dieses Landes in möglichst wenigen Worten erklären möchte, wird an den Begriffen „Berge“ und „Seen“ nicht vorbeikommen.

Die Wegbereiter des Alpe-Adria-Trails haben deshalb der alpinen Bergwelt im Norden des Landes eine ganze Woche spendiert, um dann auf Höhe des Millstätter Sees in die Wasserwelt des Landes einzutauchen. Zwei Wochen reichen aus, um die bekanntesten Gewässer des Landes zu Fuß zusammenzuhängen. Jenseits der österreichischen Staatsgrenze folgt eine weitere Woche in Slowenien sowie eine abschließende Woche, die vorwiegend durch Friaul und den Triestinischen Karst führt – also Italien gewidmet ist.

Das Beste aller Welten

Eine „typische“ Kärntner Etappe verbindet den Ossiacher mit dem Wörthersee. Nirgendwo im Land wird Kultur, Landschaft und Kulinarik so gut kombiniert wie auf dieser Strecke, die dereinst sogar für die offizielle Eröffnung des Trails Pate stand. Kärntens Küchenmeister sind mächtig stolz auf die Fischvielfalt, die sich auf den heimischen Speisekarten wiederfindet. Es liegt in der Natur der Sache, dass man gerade hier - zwischen den beiden großen Seen Mittelkärntens - diesbezüglich voll auf seine Rechnung kommt.
© Martin Marktl, Kärnten Werbung / Oase der Ruhe - am Ossiacher Tauernteich
Den landschaftlichen Aha-Effekt bietet an diesem Wandertag die Tauernschlucht in den namensgebenden Ossiacher Tauern. Dieses kleine Gebirge darf nicht mit den Hohen Tauern verwechselt werden, fast möchte man sogar an einen Scherz glauben, dass diese sanfte Kuppe zwischen den Seen einen so gewichtigen Namen trägt.

Vielleicht kommt die Tauernschlucht auch deshalb so unerwartet: Über klobige Steinstufen geht es hinauf auf das Almplateau und zu dem schönen Tauernteich am beinahe höchsten Punkt dieser Tour.
Bevor man sich jedoch in diese Schlucht stürzt, könnte man den Tag auch mit einer Portion Kultur beginnen: Gleich auf den ersten Metern des Weges stellt sich dem Wanderer eines der ältesten Klostergebäude Kärntens in den Weg. Die romanische Stiftskirche Ossiach wurde nach einem Brand im Spätmittelalter gotisch restauriert und versetzt auch weniger ungemein fromme Weitwanderer in Erstaunen. Sogar die Musiker des „Carinthischen Sommers“ nutzen die gewaltige Akustik der Kirche für ihre international beachteten Konzerte.
© Martin Marktl, Kärnten Werbung / Filialkirche Ossiacher Tauern
Hier in Ossiach gingen bereits vor über 1000 Jahren Benediktinermönche ihrem – sicherlich ungemein frommen - Tagwerk nach. Auch ein polnischer König, nämlich Boleslaus der Erste, soll hier büßend und schweigend seinen Lebensabend verbracht haben, nachdem er in seiner Heimat einen Bischof namens Stanislaus über die Klinge springen ließ, und ihn das schlechte Gewissen quälte. In jüngerer Vergangenheit gab es erneut prominenten Besuch: Ob Karl May allerdings wirklich persönlich in Ossiach war, ist nicht gesichert. Sicher ist jedenfalls, dass er, der als Kara Ben Nemsi Effendi dereinst unsere Fantasie beflügelte, eines der Kirchenfenster gestiftet hat.
© Martin Marktl, Kärnten Werbung / Wanderwege, die mitten in die Weinberge führen
Auch weiter im Süden lässt sich das Paket aus Kulinarik, Kultur und Natur schnüren. Und hier gibt es Paradestrecken für diesen Mix, wie beispielsweise die Tour von Breg nach Šmartno. Diese Etappe durchquert die Weinberge der Goriška Brda, und zeigt sich damit von der Seite, für die das friulanisch-slowenische Grenzland bekannt ist.
Wein- und Obsthänge bieten insbesondere jetzt im Herbst ein Farbenspiel, wie man es ansonsten nur in den herbstlichen Lärchenwäldern des Nockgebietes geboten kriegt. Was hier kulinarisch zu tun ist, liegt auf der Hand: Fast jedes Wirtshaus am Weg verfügt über einen bunten, großen Garten, und so finden sich auf den Speisekarten der Region viele Zutaten, die frischer nicht sein können. Auch an den Obstständen, die oft in den kleinen und größeren Orten den Wegesrand säumen, kommt man nur sehr schwer vorbei, ohne sich ein wenig durch das Olivenangebot zu kosten.
Kulturell wie önologisch bietet die Brda mit dem Schloß in Dobrovo einen zentralen Anlaufpunkt. Neben dem Rittersaal, der wie die Stiftskirche in Ossiach immer wieder für Konzerte genutzt wird, lockt das Renaissancegebäude mit einer ständigen Galerie sowie anderen, thematisch wechselnden Ausstellungen. Gleich nebenan befindet sich der größte Weinkeller der Region, die Vinothek Brda, wo sich der Kulturgenuss mit einer geführten Weinverkostung abrunden lässt. Auf den Bauernhöfen rundum, wo man in vielen Fällen auch übernachten kann, gibt es mal mehr, mal weniger offizielle Weinverkostungen.
© Martin Marktl, Kärnten Werbung / Das Renaissanceschloss Dobrovo
Ich bin übrigens nach meiner Alpe-Adria-Trail Begehung nochmals extra in die Brda gereist, da ich mich im Zuge einer solchen Verkostung in den Cabernet Franc verschaut habe, und ein paar Kisten nach Österreich holen wollte.

Wer die Drei-Themen-Tour mit dem Besuch einer italienischen Etappe vervollständigen will, dem werden die letzten Kilometer vor Duino gefallen – eine Wanderung, die man übrigens ganz gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln abwickeln kann. Busse bringen uns Wanderer zu jedem gewünschten Startpunkt zwischen Triest und Cividale. Für eine Tagestour empfiehlt sich der Start in Gradisca d’Isonzo, einer kleinen Stadt mit historisch beeindruckendem Stadtbild.
© Martin Marktl, Kärnten Werbung / Hoch über dem Meer - Schloss Duino
Vom Isonzo folgen wir nicht den Spuren von Briccius nach Norden, sondern kommen jenseits der Brücke an den Fuß des Monte San Michele, der ein bedeutendes Bunkermuseum aus dem Ersten Weltkrieg beherbergt. Von dort trennt uns noch ein halber Wandertag vom Mittelmeer - die abwechslungsreiche Vegetation des westlichen Triestiner Karstes bietet hier ein völlig neues Landschaftsbild. Kulturell ist auf dieser Etappe das Schloss Duino das Maß der Dinge. 18 Säle des Schlosses sind für Besucher geöffnet, ebenso der ehemalige Bunker der deutschen Kriegsmarine. Das Relikt aus dem Zweiten Weltkrieg wurde im unteren Teil des Schlosses errichtet, und ist – nach langwieriger Restaurierung - erst seit einigen Jahren öffentlich zugänglich.
Als kulinarischen Abschluss der Natur-Kultur-Kulinarik Tour möchte ich mein Lieblingslokal in Duino vor den Vorhang holen: Direkt an der kleinen Bucht am Ende der Via Duino gelegen, ist das Ristorante Locanda al Cavalluccio, ein kleines, nobles Haus, welches mit einer abwechslungsreichen Auswahl an Fischen (und Weinen) aufwartet.
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© Martin Marktl, Kärnten Werbung / Blick von Duino zum Hafen Triest
© Alpe-Adria-Trail

Alpe-Adria-Trail

In 750 km vom Gletscher am Fuße des Großglockners über die Julischen Alpen bis ins Hafenstädtchen Muggia an der Adria.

In 43 Etappen – jede um die 20 km – erlebt man die Länder Österreich, Slowenien und Italien.

Die persönliche Distanz bestimmt jeder Wanderer selbst. Die Etappen kann man einzeln auswählen oder nach Wunsch kombinieren. Ein Gepäcktransport erleichtert die Touren.
Weitere Informationen beim Alpe-Adria-Trail Buchungscenter Kärnten
Tel. 0043-4824-2700, und unter www.alpe-adria-trail.com

Hier geht’s zu den buchbaren Angeboten


Bilder: Martin Marktl und Kärnten Werbung / Text: Martin Marktl / August 2015
 

Autorenvorstellung: Martin Marktl

Ich bin Alpinjournalist und Wanderbuchautor ... weil ... ich dank meines Traumberufes den ganzen Sommer über die Berge ziehen kann. In meiner Freizeit verbringe ich viel Zeit mit allem, was mit Weitwandern zu tun hat - egal ob aktiv oder passiv.

 

Das besondere an der Kärntner Natur ist für mich der Gegensatz zwischen der Bergwelt an den Landesgrenzen und der Seenlandschaft in der Mitte. Mein Lieblingsplatz in der Natur ist ein guter Zeltplatz - mit einem Lagerfeuer davor. Mein Lieblingsgericht aus der Kärntner Küche sind die Fleischnudel meiner Mutter.

 

Lieblingszitat: “Everywhere is within walking distance - if you have the time.“

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