St. Oswald

nock/art Bad Kleinkirchheim

Wildkräuter-Wissen für Klein und Groß

In den satten Almwiesen der Nockberge wachsen still und leise schmackhafte Wildkräuter und damit eine vielfältige Naturapotheke vor sich hin. Bei einer kurzen Wanderung können Erwachsene und Kinder diese Pflanzen kennenlernen. Und anschließend in Form von selbst hergestellten Kräuterzuckerln verkosten.

Hochkonzentriert sucht der siebenjährige Tim die vor ihm liegende Wiese nach jenen violetten Blüten ab, die unser Guide Stefan eben vor der Gruppe hochgehalten und erklärt hat. Wilder Thymian. Den sollen die Kinder in kleinen Teebeuteln sammeln, damit wir daraus Kräuterzuckerln machen können.

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© Johanna Wohlfahrt / Gleich auf den ersten Schritten stößt unser Guide Stefan auf den blumig duftenden Mädesüß.
Natürlich schwindelt sich auch der eine oder andere rote Klee in Tims Teebeutel, das ist aber nicht weiter schlimm. Am Schluss werden wir das Sammelgut gemeinsam aussortieren. Wir sind ja auch allesamt keine Kräuterexperten – außer unserem Guide natürlich. Und was der alles über die wilden Kräuter weiß, die in den Nockbergen wachsen, ist schon beeindruckend. Bei dieser Kräutertour für die ganze Familie durch St. Oswald gibt’s für Erwachsene wie Kinder viel zu erfahren.

Pflanzen brauchen Luft

„Kräuter sammeln bitte nicht mit Plastiksackerl. Die Pflanzen brauchen Luft. Ein Korb oder ein gut durchlüftetes Stoff- oder Papiersackerl sind besser geeignet“, sagt uns Stefan gleich am Beginn.
Auch der Hinweis, die Kräuter nicht direkt neben dem Gehweg, wo für manchen Familienhund die Gassi-Route verläuft, zu sammeln, klingt clever. Eine Portion Hausverstand muss schon sein auf dieser kurzen, aber mit vielen Aha-Erlebnissen gespickten Wanderung.
© Johanna Wohlfahrt / Auskenner finden immer etwas. Zum Beispiel den Spitzwegerich, der bei Ohrenentzündung gute Dienste leisten kam.

Naturaspirin

Und dann legt Stefan los. Macht alle paar Meter Halt, hält irgendeine unscheinbare Pflanze hoch, die wir nicht einmal bemerkt hätten und bringt uns näher, wann und wie sie angewandt werden kann. Das hübsch und weiß blühende Mädesüß strotzt nur so vor Acetylsalicylsäure, was wir sonst nur aus Aspirin kennen. Die Wirkungsweise der Pflanze ist die Gleiche: entzündungshemmend, fiebersenkend. Mädesüß hat noch dazu den Vorteil, dass es sich geschmacklich hervorragend in unserer Kräuterbowle macht, die wir am Schluss zubereiten werden. Aber dazu später mehr.

Tipps zur Verarbeitung

Erst dürfen wir in die riesige Naturapotheke der Nockberge hineinschnuppern. Wir lernen eine Menge! Spitzwegerich, gut zerkaut, ist ein unkompliziertes Mittel gegen juckende Insektenstiche. Flechten, auch „Baumbart“ genannt, wachsen nur dort, wo die Luftgüte ausgezeichnet ist. Nebenbei helfen sie, zu einem Tee verarbeitet, bei Halsweh und Rachenentzündungen. Unser Guide weiß, dass Lärchenharz früher von den Holzknechten als Zugsalbe angewandt wurde und dass ein Polster aus Schnetzeln des Zirbenholzes einen geruhsamen Schlaf verspricht.
© Johanna Wohlfahrt / Dazu gibt’s stets auch sehr praktische Tipps für die Verarbeitung: Wie setzt man Johanniskrautöl an, wie macht man Maiwipfelsirup und welchen Teil der Schafgarbe verwendet man zur Herstellung von Schafgarbentee?
Dazu gibt’s stets auch sehr praktische Tipps für die Verarbeitung: Wie setzt man Johanniskrautöl an, wie macht man Maiwipfelsirup und welchen Teil der Schafgarbe verwendet man zur Herstellung von Schafgarbentee?

Nach der Theorie kommt der Praxisteil. Stefan teilt kleine Papier-Teebeutel aus, die die Kinder mit wildem Thymian befüllen sollen. Und schon sind die vielen kleinen Mitwanderer ganz eifrig am Suchen und untereinander am Fachsimpeln: „Ist das Thymian? ...Wow, so eine große Heuschrecke!... Iiiee, da ist ein Kuhfladen!“ Schließlich soll an einem Rastplatz ein paar Gehminuten entfernt allerhand aus gesammelten Wildkräutern fabriziert werden. Wie genau, kann sich zu dem Zeitpunkt noch niemand vorstellen.
© Johanna Wohlfahrt / Für die Wildkräuter-Bowle war Mithilfe von Groß und Klein gefragt.

Bowle und Kräuterzuckerln

Aber die Familien-Kräutertour ist als wöchentliche Veranstaltung natürlich lang erprobt und immer penibel vorbereitet. Am Rastplatz warten in Kisten verpackt schon alle Utensilien, die wir brauchen, um Kräuterbowle und Kräuterzuckerln zu zaubern.
Alle helfen mit: Für die Bowle werden die Wildkräuter vorsortiert und in eine Glasschüssel gegeben, während die Kinder die mitgebrachten Zitronen und Orangen in Scheiben schneiden. Dann das Ganze mit ein paar Litern aus dem plätschernden Brunnen ansetzen und ein wenig ziehen lassen.
Derweil macht sich Stefan am portablen Gasherd zu schaffen. „Kinder, bitte diesmal nur zuschauen, nicht anfassen“, mahnt er seine kleinen Gäste, während er Zucker in die Pfanne schüttet und anfängt zu rühren. Nach kurzer Zeit verbreitet sich der verführerische Duft von gebrannten Mandeln, der Zucker karamellisiert und wird zu einer goldbraunen, zähen Flüssigkeit. Höchste Zeit, den zuvor kleinst gehackten wilden Thymian dazuzugeben und die ganze Masse schnell auf ein flaches Teller zu gießen.
„Schaut komisch aus“
befindet ein Mädchen. „Wird aber super schmecken“, verspricht Stefan. Und der muss es schließlich wissen.
© Johanna Wohlfahrt / Was für eine herrliche und köstliche Erfrischung nach der gemeinsamen Wanderung.

So gut schmecken Kräuter!

Während die Zuckerlmasse aushärtet, gönnt sich die Gruppe erst einmal eine Erfrischung: Die Kräuterbowle ist trinkfertig und schmeckt so gut, dass letztendlich nur die angesetzte Zitronen-Orangen-Kräuter-Mixtur in der Schüssel übrig bleibt. Auch das letzte Tröpfchen fand noch einen begeisterten Abnehmer. Das Mädesüß konnte man gut herausschmecken, weil man nun ja weiß, wie es riecht.
Schließlich ist auch die Zuckerlmasse hart und wird von Stefan in kleine, mund- und lutschgerechte Stücke zerbrochen. Der Selbsttest von Tim fällt positiv aus: Ein supersüßes Zuckerl, das total nach diesen kleinen, violetten Wiesenblüten schmeckt. Wie die heißen? Was für eine Frage!
„Wilder Thymian, natürlich!“
Bilder und Texte: Johanna Wohlfahrt / 03.08.2017

Kräutertour für die ganze Familie in St. Oswald

Geführte, leichte Wanderung durch Ortsteile St. Oswalds für alle Altersgruppen. Mit der Bad Kleinkirchheim Regionscard inklusive, sonst 10 Euro pro Person. Immer montags, 14 Uhr, Treffpunkt Talstation Brunnachbahn.  

Anmeldung am selben Tag bis 12 Uhr, Biosphärenpark Nockberge, +43 (0) 4275 665  

Autorenvorstellung: Johanna Wohlfahrt

Ich bin als freie Journalistin tätig ... weil ... mich das (Be)-Schreiben seit 20 Jahren nicht mehr loslässt. Meine Freizeit verbringe ich viel mit lesen, kochen, Sport und natürlich mit meinem knapp 8-jährigen Sohn.

 

Das besondere an der Kärntner Natur ist für mich ihr Facettenreichtum und an schönen Tagen ihre Farbenpracht. Mein Lieblingsplatz in der Natur ist ein Wanderweg mit freiem Blick auf einen Kärntner See. Davon gibt’s ja einige im Land. Mein Lieblingslingsgericht aus der Kärntner Küche sind Kärntner Faustnudeln von meiner Mama ... weil ... eh klar: Geschmack der Kindheit.

 

Lieblingszitat: The best is yet to come.

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