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Wogen der Begeisterung

Wasserfälle im Mölltal

Hohe Tauern – die Nationalpark-Region in Kärnten

Wogen der Begeisterung

Über eine nächtliche Expedition durch eine Gebirgsschlucht - und eine spektakuläre Schlauchbootfahrt: Eine Nacht und ein Tag über den Gewässern des Mölltales.

Nun ist es auch schon wieder ein halbes Jahrtausend her, dass hinter der Tür des Obervellacher Bürgermeisteramtes ein Mann namens Lamprecht Zäch seiner verantwortungsvollen Arbeit nachging. Wobei, genau genommen war Lamprecht damals gar nicht Bürger-, sondern Bergmeister. Denn damals waren für den Wohlstand der Mölltaler weniger die Bürger, sondern vor allem die Berge verantwortlich. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts war Obervellach sogar der Mittelpunkt des heimischen Bergbaugeschehens. Gab es Ärger, kümmerten sich eigene Bergrichter um die Anliegen der Gewerken (mittelalterliche Bergwerkseigentümer). Und wer alle Instanzen ausschöpfte, landete genau hier - in der Mitte des heutigen, wunderschön erhaltenen Ortskerns der Mölltaler Gemeinde Obervellach in der Nationalpark-Region in Kärnten.

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Wenn jemand sehen möchte, wie es damals in den Kammern des „Obrigen Bergmeisters“ ausgesehen hat, muss er heutzutage keinen Streit mit einem Stollenbesitzer vom Zaun brechen – es reicht, sich eine Bleibe im „Oberstbergmeisteramt“ zu sichern. Auch Astrid und ich, die wir uns in der Montangesetzgebung nicht so gut auskennen, wählten diesen friedfertigen Weg in den Innenhof des „Oberstbergmeisteramtes“: Der Mittelpunkt der Bergbauwelt steht nämlich mittlerweile den Besuchern Obervellachs als „Natur Aktiv Partner“ Apartmenthaus (Kat. ****) zur Verfügung. Die originalgetreu erhaltenen Gemächer im oberen Stockwerk tragen heute die Namen der ehemaligen Bergmeister: Wer nicht bei „Lamprecht Zäch“ unterkommt, schläft bei „Hieronymus Zott“, dem Keyserl. Majestät Obersten Bergmeister der Jahre 1521 bis 1527, um keinen Deut schlechter.
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© Martin Marktl / Ein Einblick in die Bergbauwelt
Beeindruckende Farbspiele in der Groppensteinschlucht
© Martin Marktl / Beeindruckende Farbspiele in der Groppensteinschlucht

Zauber der Nacht

Doch zum Schlafen sind wir heute nicht hier: Obervellach lockt seit Kurzem mit dem Angebot , die (normalerweise nur bei Tageslicht zugängliche) Groppensteinschlucht in stockdunkler Nacht zu erkunden. Um die sensible Tier- und Pflanzenwelt nicht über Gebühr zu beanspruchen, finden diese Touren maximal einmal wöchentlich in Begleitung eines Natur-Aktiv Guides statt, der weiß, wie man so etwas macht, ohne in der Mölltaler Fauna Aufsehen zu erregen.
Für uns mimt heute Ron den Wächter der Nacht: Er, der ehemalige Geschäftsmann, der vor vielen Jahren sein Leben in den Niederlanden gegen ein Leben in der Mölltalleit‘n eingetauscht hat, ist mit seiner ganzen Lebenseinstellung ein Garant dafür, dass wir hier nichts machen, was uns ein Obervellacher Feuersalamander irgendwann einmal krumm nehmen könnte. Er, also Ron, ist es auch, der uns pünktlich bei Einbruch der Dunkelheit zum alten Mautturm am Eingang der Groppensteinschlucht bringt, um uns dort den Marschplan des heutigen Abends zu erklären.

Astrid und ich kennen die Schlucht noch aus jenen Tagen, wo man dazu angehalten war, sich am Weg durch die Schlucht möglichst unterbrechungsfrei an den Stahlseilen anzuhalten. Die Steige waren noch vor wenigen Jahren gerade einmal fußbreit. Inzwischen jedoch wurde die Groppensteinschlucht um ebenso spektakulären wie beeindruckenden Holzsteig bereichert.

Beeindruckend deshalb, weil er sich wie selbstverständlich an die Schluchtwände schmiegt - und uns Besucher noch viel näher an die Aussichtspunkte über den Wasserfällen heranführt, als es der waghalsige Steig vergangener Tage jemals vermochte. Unwillkürlich stellt man sich die Frage, wie es den Zimmersleuten überhaupt möglich war, in dieser luftigen Höhe einen Steig zu errichten – so ganz ohne Steig...!
An einigen Stellen, wo sich das Wasser besonders spektakulär zu Tale stürzt und sich in den Kolken (kreisrunde, glatte Auswaschungen durch das Wildwasser) darunter im Kreise wirbelt, wurden Scheinwerfer ausgerichtet, die mit gelungenen Farbtönen die Szenerie in ein besonders schönes Licht tauchten. Etwa zwei Stunden lassen wir nicht nur den wilden Mallnitzbach, sondern auch eine beeindruckende Geräuschkulisse unter uns vorbeiziehen, bevor wir uns an unserem Ausgangspunkt, dem Mautturm, noch zu einer gemütlichen Nachbesprechung zusammensetzen.
Blick auf den Zechnerfall
© Martin Marktl / Ein erster Blick auf den Zechnerfall
Unser Nachtwächter Ron zauberte dazu aus einem Geheimversteck eine Platte mit verschiedenen Kärntner Wurst-, Speck- und Käsespezialitäten hervor, an deren restloser Verkostung wir jedoch scheiterten. Zufrieden und rechtschaffen müde begaben wir uns etwa eine Stunde vor Mitternacht in die Ortsmitte zurück, um uns für die nächsten 8 Stunden unserem Oberstbergmeister Lamprecht Zäch anzuvertrauen.

 

Wogen der Begeisterung

Am nächsten Tag das volle Kontrastprogramm: Viel Licht, viel Sonne ... und viel Wasser - doch diesmal nicht aus sicherer Entfernung, sondern hautnah: Rafting auf der Möll, so die unzweideutige Aufforderung auf unseren Eintrittskarten in die Oberwasserwelt. Lamprecht und Hieronymus ließen uns nicht ohne ausgiebiges Frühstück zum Südufer der Möll ziehen. Dort erwartete uns René, unser Schiffskapitän der heutigen Flussfahrt. „Vorsicht - im Neopren-Anzug kann es sehr schnell heiß werden! Da drüben, beim kleinen Wasserfall, könnt Ihr die Dichtheit des Anzugs überprüfen - und euch gleichzeitig gleich ein wenig abkühlen!"
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© Martin Marktl / Sehr einladend im oberen Abschnitt - Die Möll
OK, Rene hat heute hier das Sagen. Wir beugen uns und hüpfen in den nahegelegenen Bach – ganz wie uns geheißen. Es dauert jedoch nicht lange, und wir finden uns neben einem 10-Sitzer-Schlauchboot wieder: „Die Männer voraus, Frauen und Kinder bleiben hinten!“, höre ich René aus Richtung Steuerbord rufen. Komisch, in den Filmen war das immer umgekehrt. Egal, René weiß im Unterschied zu uns, wie man lebend in die Möll – und auch wieder aus ihr rauskommt.
 
Die zwei Stunden am Fluss lassen sich in zwei grundverschiedene Teile zerlegen: Zuerst die „ruhige“ Möll: Da bleibt genügend Zeit zum Blödeln, Badengehen, mit-dem-Wasser-vertraut-werden und zum Plaudern mit der Schiffscrew.
Mann über Board
© Martin Marktl
Und dann – ab Höhe Danielsberg – der stürmische Teil unserer Reise: Vergleichsweise hohe Wellen, kleine Stufen und viele unterhaltsame Wirbel lassen auf den unteren Kilometern keine Langeweile aufkommen. René, der von der hinteren Reling aus die Geschicke unseres Schlauchbootes lenkt, pflegt den Kärntnerischen Führungsstil: „Låß lei lafn“ (= einfach laufen lassen), ist das Motto unserer Fahrt – nur selten unterbrochen von einem „Vorwärts!“ oder „Rückwärts!“ – dem untrüglichen Zeichen, dass irgendwo ein unguter Fels auf uns wartet – dem René, der die Möll wie seine Westentasche kennt, mithilfe unserer Hände und Paddel ein Schnippchen schlägt.

Regionale Kulinarik

Hier im Mölltal hat man sich einer besonderen Fischspezialität, dem Alpenlachs, verschrieben. Diese Saibling-Art bevorzugt möglichst kalte, klare Gewässer, wie beispielsweise das Nördliche Eismeer. Der Alpenlachs ist daher ein Indikator für hohe Wasserqualität – wo er sich wohl fühlt, ist die Welt noch in Ordnung. Wie beispielsweise am Fuße des Poliniks (höchster Berg der Kreuzeckgruppe und Hausberg von Obervellach), wo sich im Wunzenbach ein Aufzuchtbecken für diesen sportlichen, delikaten Speisefisch befindet.
Wie in jeder Region meiner Heimat verkoste ich auch bei meinem Besuch in Obervellach die Spezialität, die ich sonstwo nur selten bekomme. Im Hotel Pacher, gleich vis-a-vis vom Oberstbergmeisteramt, serviert man ein in Olivenöl goldgelb herausgebratenes Lachsfilet mit kernigem Risotto.
 
Auch am nächsten Tag bleibe ich der regionalen Küche treu und werde von unserem Rafting-Veranstalter (Aktiv-Sport-Erlebnis-Camp Pristavec) mit gebackenen Lachsfiletstücken auf Blattsalat verwöhnt.
Knuspriger Alpenlachs im Hotel Pacher
© Martin Marktl / Knuspriger Alpenlachs im Hotel Pacher
Bilder und Text: Martin Marktl / 11. & 12. August 2015

Autorenvorstellung: Martin Marktl

Ich bin Alpinjournalist und Wanderbuchautor ... weil ... ich dank meines Traumberufes den ganzen Sommer über die Berge ziehen kann. In meiner Freizeit verbringe ich viel Zeit mit allem, was mit Weitwandern zu tun hat - egal ob aktiv oder passiv.

 

Das besondere an der Kärntner Natur ist für mich der Gegensatz zwischen der Bergwelt an den Landesgrenzen und der Seenlandschaft in der Mitte. Mein Lieblingsplatz in der Natur ist ein guter Zeltplatz - mit einem Lagerfeuer davor. Mein Lieblingsgericht aus der Kärntner Küche sind die Fleischnudel meiner Mutter.

 

Lieblingszitat: “Everywhere is within walking distance - if you have the time.“

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